Schwule und Lesben in den Medien – der Waldschlösschen-Appell

Der Umgang mit Schwulen und Lesben in den Medien hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert: War der erste schwule Kuss in der Lindenstraße noch ein Tabubruch, so taugen Homosexuelle nun als steuerpolitischer Aufmacher der Hauptnachrichtensendungen. Auch wenn Schwule und Lesben immerhin öfter vorkommen als früher, was zu einem Stückchen Normalität beiträgt, gelten oftmals andere Maßstäbe. Während beispielsweise Rechtsextremisten nicht in die Wahlsendungen eingeladen werden, „um ihnen kein Forum zu bieten“, scheinen manche Redaktionen kein Problem damit zu haben, wenn Interview-Partner gegen Homosexuelle hetzen. Deshalb hat der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen mit seinen drei Forderungen an die Medien den „Waldschlösschen-Appell“ initiiert, zu dessen Erstunterzeichnern ich gehöre.

Den Anstoß hatte die ARD-Sendung „Hart aber fair“ gegeben, in der Moderator Frank Plasberg vor lauter medialer Zuspitzung sich distanzlos in der Gesprächsleitung Ressentiments zunutze machte und seine Gäste allerlei extreme Thesen verbreiten konnten.

Die Sendung ist in vielen Blogs schon besprochen worden und stellt nur ein Extrembeispiel dar. Es gibt viele Grauzonen. Konservative Unionspolitiker verknappen ihre Vorbehalte gegen Adoptionen durch homosexuelle Lebenspartner gerade sehr gerne mit dem Begriff „Kindeswohl“ – und sie nehmen es wohl gerne in Kauf, die Albträume mancher Unionsanhänger anzusprechen, wie Jugendliche in die Homosexualität getrieben würden. Bedenklich auch, wie vor vier Wochen die Magdeburger Volksstimme über die CDU-Hardlinerin Hedwig von Beverfoerde berichtete: Ohne jede inhaltliche Auseinandersetzung durfte sie auf einer Dreiviertelseite darüber schwadronieren, wie eine steuerliche Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben die christlichen Grundwerte unser Gesellschaft zerstört. In den Online-Kommentaren heißt es: „Sehr guter Artikel von Frau von Beverfoerde, dem kann ich nur zustimmen.“ Es spricht ja Bände, dass das Publikum schon denkt, die CDU-Politikerin konnte den Artikel selbst schreiben.

Hier sind die drei Forderungen des Waldschlösschen-Appells, die ich gerne mittragen:

Wir fordern Journalistinnen und Journalisten dazu auf,

1. solche Aussagen deutlich als diskriminierende Anfeindungen zu kennzeichnen und zu verurteilen (so wie es auch etwa bei rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Anfeindungen geschieht),
2. Vertretern solcher Aussagen keine Plattformen zu bieten, so lange sie sich nicht klar von ihnen distanzieren,
3. Homosexuelle in Beiträgen und Diskussionen nicht länger in die Situation zu bringen, sich für ihre sexuelle Orientierung rechtfertigen zu müssen.

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